Zum Propheten berufen

Einer Berufung durch Gott kann der Prophet sich nicht widersetzen. Radikal steht am Anfang des Buches Jeremia die Feststellung, dass sein Schicksal schon vor seiner Geburt festgeschrieben wurde. Er kann sich diesem als Mensch versuchen zu widersetzen, er kann klagen und sich für unwürdig erklären. Aber eine Berufung ist ein Befehl mit göttlicher Autorität, dem man sich schlussendlich nicht widersetzen kann.

Gott macht aus dem unerfahrenen Menschen ohne Autorität, ein Bollwerk seiner Verkündigung – aber er lässt den Menschen doch auch menschlich sein. Er weiß um die menschliche Schwäche und warnt daher, dass Menschenfurcht in der Verkündigung ein Mangel an Gottesfurcht ist. Der Berufene muss seinen Auftrag in der Beziehung zu seinem Gott finden und umsetzen, nur so kann er in der Autorität Gottes handeln.

Der vorgesehene, alttestamentliche Lesungstext für den 4. Sonntag im Jahreskreis ist: Jeremia 1,4-5-17-19.

Autor des Blogs:

Promovierter katholischer Theologe, Exeget und Blogger, der in Jerusalem lebt und arbeitet.

Bildquellen

  • Ilja Jefimowitsch Repin, Aufschrei des Propheten Jeremia über den Ruinen Jerusalems: Staatliche Tretjakow-Galerie in Moskau – Lizenz: gemeinfrei.