Wer will mit mir streiten?

JHWH ist mein Herr! Dieses Bekenntnis wiederholt sich im dritten Gottesknechtlied viermal kurz hintereinander, um sich gegen die Skepsis der Bevölkerung Jerusalems zu stellen. Wenn die gesellschaftlichen Strukturen scheinbar keine Perspektive bieten, braucht es den prophetischen Widerstand. Es bedarf einer absoluten Ausrichtung an dem Gott, der für Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und die Bestrafung des Unrechts steht. Wenn der Blick auf Ruinen ruht, verliert man den Glauben. Aber gerade in den Ruinen ist der Ort der Glaubensgewissheit: „Siehe, GOTT, der Herr, wird mir helfen.“ (Jesaja 50,9) – denn die Ruinen sind nicht Gott!

In den Rissen des Fundaments gibt es Raum, damit aus den Gläubigen Schüler des Wortes Gottes werden. Das Hören auf Gott führt zum Verkünden des Gehörten: „GOTT, der Herr, gab mir die Zunge von Schülern, damit ich verstehe, die Müden zu stärken durch ein aufmunterndes Wort.“ (Jesaja 50,4) – und das Vertrauen auf Gott gibt die notwendige Kraft, um den Weg der prophetischen Erneuerung zum Reich Gottes auf Erden zu gehen. In Jesajas Worten wird deutlich, dass dieser Weg kein einfacher ist: „Ich hielt meinen Rücken denen hin, die mich schlugen, und meine Wange denen, die mir den Bart ausrissen. Mein Gesicht verbarg ich nicht vor Schmähungen und Speichel.“ (Jesaja 50,6). Aber der Weg ist gangbar im Vertrauen darauf, dass Gott der Richter nahe ist und Gerechtigkeit schaffen wird.

Meine ausführliche Erklärung und Auslegung der Lesung am Palmsonntag (Jesaja 50,4-7) gibt es unter: https://www.in-principio.de/sonntags-lesungen/lesung/1.-Lesung-Jes-504-7/

Autor des Blogs:

Promovierter katholischer Theologe, Exeget und Blogger, der in Jerusalem lebt und arbeitet.

Bildquellen

  • 419px-William-Adolphe_Bouguereau_(1825-1905)_-_The_Flagellation_of_Our_Lord_Jesus_Christ_(1880): Titelbild: William-Adolphe Bouguereau (1825-1905), “The Flagellation of Our Lord Jesus Christ” (1880) – Lizenz: gemeinfrei.