Weisheit 7: Gottesfreundschaft und materieller Wohlstand

Weisheit ist ein auf Gott hörendes Herz. Als ein vergängliches Wesen in einer vergehenden Welt findet der Mensch Ewigkeit und somit beständiges Glück nur in der Beziehung zu Gott: „Ein unerschöpflicher Schatz nämlich ist sie [die Weisheit] für den Menschen: die ihn erwarben sind zur Freundschaft mit Gott gelangt … .“ (Weisheit 7,14). Radikal gesprochen ist sie nicht nur Reichtum und Ehre, sondern selbst dem Lebensnotwendigen vorzuziehen. Denn erst in der Ausrichtung auf Gott, versteht der Mensch die Welt als dessen Schöpfung.

Diese radikalen Worte legen eine Erzählung über Salomo aus. Als Gott den jungen König auffordert, ihn um etwas zu bitten, wünscht er sich ein „hörendes Herz“ (1 Könige 3,9). In der Ausrichtung auf Gott sucht der Monarch Heil für sich und sein Volk. Aufgrund dieser Entscheidung wendet er sich jedoch nicht völlig von Reichtum und Ehre ab, sondern Gott gewährt dem Demütigen die Fülle des Lebens. Salomo wird in seine Leben zum weisesten, reichsten und ruhmreichsten König. Man sollte die Weisheit nicht nur für sich selbst erstreben – sie lässt sich nur in Beziehung finden. Und aus dieser Gottesfreundschaft können dann alle anderen Glücksgüter entstehen – so zumindest verheißt es diese Geschichte Salomos und ihre Interpretation im Buch der Weisheit. Die Realität lehrt, dass logisch aus spirituellem Glück kein materieller Wohlstand resultiert.

 

Meine Arbeitsübersetzung der alttestamentlichen Lesung am 28. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:

7 Daher betete ich und Klugheit wurde mir gegeben; ich rief und der Geist der Weisheit kam zu mir. 8 Ich bevorzugte sie gegenüber Zeptern und Thronen; Reichtum bedeutete mir nicht im Vergleich mit ihr. 9 Noch habe ich einen Edelstein mit ihr verglichen, denn alles Gold erscheint neben ihr wie wenig Sand, und Silber gilt ihr gegenüber wie Lehm. 10 Ich liebte sie mehr als Gesundheit und Schönheit und entschied mich dafür, sie statt Licht zu haben, denn die Ausstrahlung von ihr ruht nie. 11 Aber alle guten Dinge kamen zu mir zusammen mit ihr und in ihren Händen ungezählter Reichtum. 12 Ich freute mich aber über sie alle, denn die Weisheit führt sie an; ich hatte aber nicht erkannt, dass sie die Erzeugerin von diesen ist. 13 Ohne Falschheit lernte ich, und ohne Neid gebe ich weiter; ihren Reichtum halte ich nicht bei mir verborgen. 14 Ein unerschöpflicher Schatz nämlich ist sie für den Menschen: die ihn erwarben, sind zur Freundschaft mit Gott gelangt, wegen der aus Bildung (stammenden) Gaben empfohlen.

Weisheit 7,7-14 [Lesung: Verse 7-11]

Autor des Blogs:

Promovierter katholischer Theologe, Exeget und Blogger, der in Jerusalem lebt und arbeitet.