Verschonung

Der erste König Israel, Saul, wurde von Gott verworfen und David an seiner ttatt heimlich zum kommenden König gesalbt (1 Samuel 16,1-13). Der Entscheidung Gottes folgt jedoch ein menschlicher Machtkampf, der von Ungleichgewicht geprägt ist. Der Harfe spielende, charismatische Kriegsheld David dient Saul – und Saul trachtet ihm nach dem Leben. Der in der Zukunft mächtige König David muss fliehen und sich verstecken. Zwei Mal legt Gott das Leben Sauls in die Hände des fliehenden Davids. Beide Mal verschont David den noch immer herrschenden König Saul. In 1 Sam 24.21 gesteht Saul selbst ein, dass seine Zeit abgelaufen ist: „Jetzt weiß ich, dass du König werden wirst und dass das Königtum in deiner Hand Bestand haben wird.“ Aber trotzdem trachtet er weiter nach dem Leben des von Gott gegen ihn Auserwählten.

Nachdem Gott das Leben Sauls wieder in die Hände Davids legt und David ihn verschont, kommt es zu einem beeindruckenden Dialog. Die Wortwahl zwischen David und Saul ist vielsagend: David redet von und mit Saul zutiefst respektvoll: Saul ist „JHWHs Gesalbter“, der „Herr König“, sein „Herr“, der „König Israels“ – aber obwohl Saul ihn dreifach als „mein Sohn“ anspricht, antwortet er nicht mit „mein Vater“. David redet ehrerbietend mit ihm, aber verneint die enge persönliche Beziehung. Die Beziehung liegt auch Davids Entscheidung zugrunde, Saul nicht aus Rache oder einfach aufgrund der gegebenen Möglichkeit zu töten. Zwar befindet sich David in einer gottgegebenen Situation, Gott legt Sauls Leben in David Hände. Aber die Tötung eines von Gott Gesalbten sieht er als ein Tabu, vor dem er auch Abischai beschützt: „Denn wer hat je seine Hand gegen den Gesalbten des HERRN erhoben und ist ungestraft geblieben?“ (Vers 9). Der wagemutige Held, der sich sozusagen in die Höhle des Löwen begibt, umgeben von 3000 feindlichen Soldaten, achtet das Leben seines Feindes. Zumindest in dieser Erzählung stellt er die Gewaltlosigkeit über die todbringende Gewalt.  

Der vorgesehene, alttestamentliche Lesungstext für den 7. Sonntag im Jahreskreis ist: 1 Sam 26,2.7-9.12-13.22-23. Aber es ist natürlich empfehlenswert das gesamte Kapitel und nicht nur die ausgewählten Stücke zu lesen!

Autor des Blogs:

Promovierter katholischer Theologe, Exeget und Blogger, der in Jerusalem lebt und arbeitet.

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