Tod im Leben


– sich den Text vorlesen lassen


 
Mitten in der Bibel, im Buch Ijob, wird die Sinnlosigkeit des Lebens verkündet. Die Tage des Lebens gehen freudlos, ohne Trost dahin und enden im Tod. Der Mensch ist abhängig von seiner Arbeitskraft und fremden Lohn. Man kann sich seinen sozialen Status vor der Geburt nicht aussuchen und für die meisten Menschen ist es ein hartes, mühseliges Leben, das ihnen zugeteilt wird. So beurteilt Ijob das menschliche Leben, nachdem er trotz seines Gottesglaubens und seiner Gerechtigkeit all seinen Besitz, seine Kinder und seine Gesundheit verloren hat.

So wie im Buch Kohelet beklagt er das Leben als einen Windhauch. Es zieht vorüber, es ist nicht sichtbar und nicht greifbar. Mit dem Tod erwartet einen das Vergessen-Sein – es wird sein, als hätte man nie gelebt. In Ijobs Worten gibt es keine Auferstehungshoffnung, sondern nur die Dunkelheit des Todes, die kein Gotteslob mehr kennt: „Denn im Tod gibt es kein Gedenken an Dich [Gott]. Wer wird dich in der Totenwelt [Scheol] preisen?“ (Psalm 6,6).

Umso bitterer erklingt Ijobs Klage an Gott: „Gedenke, dass mein Leben ein Wind ist. Nicht wird mein Auge umkehren und Gutes sehen. Nicht wird mich ein Auge, das nach mir sieht, anblicken – deine Augen auf mich? Mich gibt es nicht.“ (Ijob 7,7-8). Sinn und Wohltat im Leben bietet für Ijob nur die Beziehung zu Gott. Nur wenn das Angesicht Gottes über dem Menschen scheint, wenn der Schöpfer sein Geschöpf liebend anschaut, kann es dem Menschen vergönnt sein „Gutes zu sehen“. Ohne dies ist die Vergänglichkeit des Lebens bereits der Tod im Leben.


Meine Arbeitsübersetzung der alttestamentlichen Lesung am 5. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:

1 Ist der Mensch auf Erden nicht für den Kriegsdienst bestimmt und wie die Tage eines Tagelöhners sind seine Tage? 2 Wie ein Sklave, der nach Schatten lechzt und wie ein Tagelöhner, der auf seinen Lohn hofft. 3 So erbte ich Monde der Vergeblichkeit und Nächte der Mühsal teilte man mir zu. 4 Wenn ich mich niedergelegt habe und sage: Wann werde ich aufstehen? Der Abend dehnt sich und ich bin gesättigt mit Schlaflosigkeit bis zur Dämmerung. 5 Mein Fleisch ist bekleidet mit Maden und trockenem Schorf, meine Haut ist steif und zerfließt. 6 Meine Tage eilen schneller als ein Weberschiffchen – sie gehen zu Ende ohne jedwede Hoffnung. 7 Gedenke, dass mein Leben ein Wind ist. Nicht wird mein Auge umkehren und Gutes sehen. 8 Nicht wird mich ein Auge, das nach mir sieht, anblicken – deine Augen auf mich? Mich gibt es nicht. 9 Eine Wolke entgleitet und vergeht – so der Hinabsteigende in die Scheol. Er wird nicht hinaufsteigen. 10 Er wird nicht mehr zurückkehren zu seinem Haus und sein Ort wird ihn nicht mehr erkennen.


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