Menschen- oder Gottvertrauen?

Nach den vorherigen Kapiteln, die kaum Hoffnung für das Volk Israel lassen (Jeremia 11-16), betont auch Jeremia 17: auf nichts Menschliches ist mehr Verlass! Die Sünde ist tief im Herzen des Volkes verankert (Verse 1-4). Aber zugleich klingt auch eine zarte Hoffnung an. Heil liegt im Vertrauen auf Gott, im Gebet sowie der Einhaltung des Sabbats als Ruhetag. Und Gott antwortet nun auf Jeremias Anklage gegen ihn: „Wahrlich, wie ein versiegender Bach bist du [Gott] mir geworden, ein unzuverlässiges Wasser.“ (Jeremia 15.18).  

In zwei Weisheitssprüchen zeigt Gott zwei Alternativen auf: Das Vertrauen auf den Menschen und das Vertrauen auf Gott. Der Kontrast ist deutlich formuliert: „Verflucht ist …“ (Verse 5-6), „Gesegnet ist …“ (Verse 7-8).

Der aufgestellte Kontrast ist radikal. Menschliche Macht, ja, das menschliche Leben hängt völlig vom Vertrauen auf Gott ab. Man kann die Aussage sogar noch radikalisieren: Wer auf die Stärke von Menschen vertraut, dem mangelt es an Gottvertrauen. In dieser Kritik findet sich eine Verheißung. Der Glauben an Gott ist die Quelle des Lebens, weil die Macht Gottes eben keine vergängliche ist. Leben realisiert sich im Vertrauen auf Gott.

Der vorgesehene, alttestamentliche Lesungstext für den 6. Sonntag im Jahreskreis ist: Jeremia 17,5-8.

Autor des Blogs:

Promovierter katholischer Theologe, Exeget und Blogger, der in Jerusalem lebt und arbeitet.

Bildquellen

  • Titelbild: “Canyon, Ein Gedi. Reserve in Israel”: Fotografiert von Robert Bye