Jesaja 35: Weg der Heiligkeit

Gott verwandelt die Wüste und die Steppe in eine blühende Landschaft. Der Dünger dieser Verwandlung ist die Rache Gottes. Seine Vergeltung ermöglicht Leben. Im Buch Jesaja wird die Rückkehr aus dem Exil für Israel als ein Naturwunder beschrieben, dass das bevorstehende Heil versinnbildlichen soll. Dem Leser und der Leserin wird eine Weg-Theologie eröffnet. Für den ersten Schritt bedarf es jedoch keines göttlichen Eingreifens, sondern der zwischenmenschlichen Ermutigung: „Stärkt die schlaffen Hände und die wankenden Knie festigt!“ (Jesaja 35,3).

Aus den Verzagten, die blind und taub für die Hoffnung geworden sind und die erstarren in der Verzweiflung, sollen Jubelnde und freudig zum Heil eilende Gläubige werden. Der neugewonnene Mut wird die Exilierten auf einem von Gott bereiteten Weg zurück in die Heimat, zu Gott, führen. In der Gottesferne des Exils und der alltäglichen Verzweiflung steht die ermutigende zwischenmenschliche Beziehung. Der Mut kommt aus Gottvertrauen – vertrauen darauf, dass Gott der Gott der Rache ist. Er ist nicht ein Gott der blinden Rache, sondern seine Vergeltung ebnet Straßen der Gerechtigkeit für sein Volk.

 

Meine Arbeitsübersetzung der alttestamentlichen Lesung am 23. Sonntag im Jahreskreis:

3 Stärkt die schlaffen Hände und die wankenden Knie festigt! 4 Sagt denen, die einen voreiligen Verstand haben: Seid stark, fürchtet euch nicht! Siehe, euer Gott, Rache kommt – die Vergeltung Gottes. Er selbst wird kommen und wird euch retten! 5 Dann werden die Augen der Blinden geöffnet und die Ohren der Tauben werden geöffnet werden. 6 Dann wird ein Lahmer springen wie ein Hirsch und die Zunge eines Stummen wird aufjauchzen. Fürwahr, Wasser wird in der Wüste hervorbrechen und Ströme in der Steppe. 7 Und der verbrannte Boden wird zum Teich und das dürstenden Land zu sprudelnden Quellen. An dem Ort, wo Schakale lagerten, wird das Gras zu Schilfrohr und Papyrus. 8 Dort wird ein Pfad sein und ein Weg und Weg-der-Heiligkeit wird er genannt werden. Nicht wird ein Unreiner darüber einherziehen. Er gehört dem, der der Weg-Geher ist. Tore werden nicht mehr umherirren.

Jesaja 35,3-8 (Lesungstext: Verse 4-7a)

Autor des Blogs:

Promovierter katholischer Theologe, Exeget und Blogger, der in Jerusalem lebt und arbeitet.