“Ich werde sein”

Das Gottesbild der Erzählung vom brennenden Dornbusch verbindet die Vergangenheit mit der Zukunft. Scheinbar durch Zufall gelangt Mose zum Gottesberg und wird so doch zum Teil der israelischen Geschichte, die mit Abraham beginnt und ins verheißene Land führt. Ein Gott ohne festen Kultort an einem fremden Berg ergreift Partei für ein Volk, dass unter Fremdherrschaft leidet, um es in die Wüste zu führen. In dieser Wüste erfährt Mose die Nähe Gottes, der seine Zweifel ernstnimmt und ihm seinen Beistand zusichert. Dieser Beistand Gottes, der Ausdruck seiner Treue ist, beschreibt das Wesen Gottes: Er ist der, der er sein wird. Zwar ist er unverfügbar und nicht vom Menschen festlegbar, aber er bindet sich selbst in seinen Verheißungen an die Erzeltern und seinen Zusagen an Mose vollständig mit seinem Wesen an sein Volk.

Mose wird am Dornbusch zum Anführer Israels und führt das Volk so selbst zu der direkten Gottesbegegnung am Berg Sinai (Exodus 19). Aber weder Mose noch der Ort sind wichtig. Später werden die Israeliten nicht zum Berg Sinai pilgern und Mose wird das Hineingehen in das verheißene Land verweigert werden. Im Zentrum steht das Volk, das hier erstmals von Gott als „mein Volk“ bezeichnet wird und mit dem Gott an eben diesem Berg einen Bund schließen wird. Der „Ich-bin“ ist und wird der Gott Israels sein, der das Leid seines Volkes erhört und es rettet.

Und zum Ende noch eine gute Nachricht: Das lange angekündigte neue Bibelprojekt ist online! Sie finden den Text der alttestamentlichen Lesung mit einer noch ausführlicheren Erklärung und Auslegung auf der Homepage www.in-principio.de – dem neuen Bibelprojekt des Erzbistum Köln.

Autor des Blogs:

Promovierter katholischer Theologe, Exeget und Blogger, der in Jerusalem lebt und arbeitet.