Ezechiel 1-2: Zur Verkündigung berufen.

Verspricht der christliche Glaube weltlichen Ruhm? Nein! Ist die Last, Jesus nachzufolgen, eine Überforderung, die einen zu Boden drückt? Ja, wenn man die Nachfolge ernst nimmt! Aus Eigennutz zu glauben, verfehlt den Kern der Beziehung zu Gott. Auch wenn nicht jeder Christsein persönliches Berufungserlebnis hat, so bieten doch die Berufungsgeschichten der alttestamentlichen Propheten eine Gewissheit für diejenigen, die auf Jesu Ruf zur Nachfolge auch heute hören.

Als Gott in das Leben des Propheten einbricht, bricht er zusammen. Der Prophet macht sich klein und demütig wirft er sich auf den Boden, auf sein Gesicht. Doch Gott erniedrigt seine Berufenen nicht, sondern erhöht sie. Ja, erst wenn Ezechiel mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehen wird, dann wird Gott erst mit ihm reden. So sagt er es ihm und sorgt dafür, dass der Prophet aufgerichtet vor ihm steht.

Diese Würde schenkt Gott nicht nur dem Boten, sondern auch den Empfängern der zu verkündenden Botschaft. Israel wird als widerspenstig beschrieben. Sowohl im Inneren als auch im Äußeren haben sie sich gegen Gott gewendet – „mit ehernem Gesicht und starkem Herzen“ (Ezechiel 2,4). Und auch das Auftreten des berufenen Propheten vermag vielleicht die Menge nicht überzeugen: „Und sie – ob sie hören oder es lassen, denn sie sind ein widerspenstiges Haus – werden erkennen, dass ein Prophet unter ihnen war.“ (Ezechiel 2,5). Aber denen, die Gott nicht nachfolgen, sendet er seine Boten hinterher – selbst wenn diese Mission aussichtslos erscheint. Gott zeigt durch seinen Berufenen, dass er sich um sein Volk kümmert – auch wenn sie es erst im Nachhinein erkennen werden.

Jesu Nachfolger sind keine persönlich von Gott berufenen Propheten. Aber ihre Mission geschieht aufrecht in Würde, auch wenn das verkündete Wort womöglich ungehört verhallt – denn selbst eine Verkündigung, die keine direkte Frucht bringt, ist doch als Samen in diese Welt eingepflanzt.

Meine Arbeitsübersetzung der alttestamentlichen Lesung am 14. Sonntag im Jahreskreis:

128b Als ich [die Herrlichkeit JHWHs] sah, fiel ich auf mein Gesicht und hörte eine Stimme reden. 21 Und er sagte zu mir: Menschensohn, steh auf deinen Füßen, dann werde ich mit dir reden. 2 Ein Geist kam in mich, als er zu mir sprach, und stellte mich auf meine Füße. Da hörte ich den, der zu mir sprach. 3 Und er sagte zu mir: Menschensohn, ich selbst sende dich zu den Söhnen Israels, zu den widerspenstigen Nationen, die sich gegen mich aufgelehnt haben. Sie und ihre Väter haben sich gegen mich vergangen – bis zum heutigen Tag. 4 Die Söhne – mit ehernem Gesicht und starkem Herzen -, zu ihnen sende ich dich. Und du sollst zu ihnen sagen: „So spricht der Herr JHWH!“. 5 Und sie – egal, ob sie hören oder es sein lassen, weil sie ein rebellisches Haus sind – werden erkennen, dass ein Prophet in ihrer Mitte war.

Ezechiel 1,28b-2,5

Autor des Blogs:

Promovierter katholischer Theologe, Exeget und Blogger, der in Jerusalem lebt und arbeitet.

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