Ein Herrscher als Neuanfang

Der Prophet tritt in bewusste Opposition zu den herrschenden Königen aus der Linie Davids: Ihr unrechtes Tun und ihre Bestechlichkeit werden als Gründe angeben, warum Jerusalem zu einem „Trümmerhaufen“ werden wird (Micha 3,10). Aber dies bedeutet keine allgemeine Verurteilung der Dynastie Davids. Die herrschenden Davididen werden untergehen, aber der Prophet setzt seine Hoffnung doch auf das in der Person David in der Vergangenheit angelegten Heil. An diese „Ursprünge .. in ferner Vorzeit, in längst vergangenen Tagen“ knüpft die Prophetie Michas an.

Wie David wird aus Betlehem ein neuer König aus seiner Familie hervorgehen, der in Jerusalem herrschen wird. Die gewählte Ausdrucksweise „hervorgehen“ zeigt an, dass damit aber nicht unbedingt ein direkter Nachfahre des letzten davidischen Königs gemeint ist. Generell ist die Verheißung sehr unbestimmt formuliert, und lässt offen, wann dieser unbekannte Nachfahre Davids von Gott berufen wird. Diese Hoffnung auf einen Retter Israels zielt auf eine offene Infragestellung der Großmächte unter deren Herrschaft Israel nach dem Untergang des davidischen Königtums stand.

Diesmal leider ohne eigene Arbeitsübersetzung. Daher hier der Verweis zum Text auf den Bibleserver, wo sich verschiedenen Übersetzungen finden lassen: Micha 5,1-4a.

Autor des Blogs:

Promovierter katholischer Theologe, Exeget und Blogger, der in Jerusalem lebt und arbeitet.

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