Dtn 6: Höre, Gott ist einzig!

Der Prophet Sacharja prophezeit einen apokalyptischen Kampf um Jerusalem, an dessem Ende JHWH als Sieger Herrscher über die gesamte Welt sein wird: „Dann wird der HERR König sein über die ganze Erde. An jenem Tag wird der HERR einzig sein und sein Name einzig.“ (Sacharja 14,9).  In seinen Worten nimmt er einen zentralen Glaubenssatz Moses aus dem Buch Deuteronomium auf, der zum Glaubensdogma des Judentums und dem nachfolgend des Christentums geworden ist: „Höre, Israel, JHWH ist unser Gott, JHWH ist einzig.“ (Deuteronomium 6,4). Hier ist keine Rede mehr davon, dass man keinen anderen Göttern nachfolgen soll. Israel hat einen Gott: das ist JHWH.

Das Bekenntnis zu dem einen Gott durchdringt das ganze Leben. Sein Wille wird zur Lebensweise. Das Volk wird gar dazu verpflichtet alle seine Gesetze zu halten, bevor Sie ihm im Buch Deuteronomium ab Kapitel 12 nochmals, neu verkündet werden. Die exklusive Beziehung des Volkes bedeutet die absolute Abhängigkeit. Sie ist eine Liebe, die keinen Platz für etwas anderes mehr zulässt: „Und du wirst JHWH, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deinem ganzen Leben und mit deiner ganzen Kraft.“ (Deuteronomium 6,5).

Als Jesus gefragt wurde, was das grundlegendste und wichtigste Gebot Gottes sei, antwortete er: „Das erste ist: Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit deinem ganzen Denken und mit deiner ganzen Kraft.“ (Markus 12,30). Das Bekenntnis zu JHWH als Gott ist der Grundpfeiler des Glaubens und des Lebens – denn daran entscheidet sich, wie man lebt, weshalb Jesus noch hinzufügt: „Als zweites kommt hinzu: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden.“ (Markus 12,31). Gottesliebe und Nächstenliebe sind der Wille des Gottes, der Herrscher über die Welt und das Leben ist.

 

Meine Arbeitsübersetzung der alttestamentlichen Lesung am 31. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:

1 Und dies sind die Gebote und Satzungen und die Rechtssätze, die JHWH, euer Gott, befohlen hat, euch zu lehren, sodass ihr sie tut in dem Land, in das ihr hinüberzieht dorthin, um es in Besitz zu nehmen; 2 damit du JHWH, deinen Gott, fürchtest, und so alle Tage deines Leben bewahrst alle seine Satzungen und seine Gebote, die ich dir befehle – du und deine Söhne und ihre die Söhne deiner Söhne –, damit deine Tage lange währen. 3 Und du wirst hören, Israel, und (darauf) achten (so) zu tun, damit es dir gut gehen wird und damit ihr sehr zahlreich werdet, wie JHWH, der Gott deiner Väter, dir zugesagt hat – ein Land, in dem Milch und Honig fließen. 4 Höre, Israel, JHWH ist unser Gott, JHWH ist einzig. 5 Und du wirst JHWH, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deinem ganzen Leben und mit deiner ganzen Kraft. 6 Diese Worten, die ich dir heute befehle, sollen auf deinem Herzen sein.

Deuteronomium 6,1-6 (Lesungstext: Verse 2-6)

Autor des Blogs:

Promovierter katholischer Theologe, Exeget und Blogger, der in Jerusalem lebt und arbeitet.

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