Die Grenze Gottes


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Auch Gott braucht Grenzen – aber er setzt sie sich selbst. Nach der Sintflut, mit der Gott alle Lebewesen, die nicht in der Arche Noachs waren, umgebracht hatte, entscheidet er, fortan nicht mehr alles Leben auf der Erde vernichten zu wollen. Er entscheidet nicht nur, dass er nie wieder eine Sintflut über die Erde herbeiführen wird – sondern er setzt ein Naturphänomen ein, das ihn aufhalten soll, wenn er die Wasser wieder zu einer Flut versammeln wird: „So wird es sein: Wenn ich [Gott] Gewölk gewölkt habe über der Erde, wird der Bogen im Gewölk sichtbar werden.“ (Genesis 9,14). Der bunte Regenbogen auf dem Hintergrund der Unheil verheißenden Wolken wird von Gott als Bundeszeichen eingesetzt, das ihn erinnert, nie wieder eine Sintflut über die Erde hereinbrechen zu lassen.

Der Bund, den Gott mit Noach, dem Vorfahren aller Menschen, und mit allen Lebewesen schließt, ist kein Rechtsvertrag und hat keine Bedingungen. Der Bund ist ein Geschenk Gottes an die Menschen und die gesamte Welt, das der Schöpfung Schutz vor ihrem Schöpfer gewährt. Der Regenbogen als Zeichen des Bundes ist das Stopp-Schild, das Gott selbst bremst: „Dann werde ich meines Bundes gedenken, der zwischen mir und euch und jedem Lebewesen und allem Fleisch besteht, und nicht wird nochmal das Wasser zu einer Flut werden, um alles Fleisch zu verderben.“ (Genesis 9,15).

Aber was bedeutet es, wenn Gott ein Erinnerungszeichen braucht, um nicht alles Leben auf der Welt auszurotten? Die am buntesten, leuchtenden Regenbögen sieht man meist erst während oder nach kräftigen Regengüssen. Die kleinen Wassertropfen in der Luft brechen das Licht der durch die Wolkendecke hindurch scheinenden Sonne. Der Regenbogen selbst ist nur ein Effekt. In der Natur verursacht das Sonnenlicht den Regenbogen, im Buch Genesis ist seine Grundlage die liebvolle Zuwendung Gottes zu seiner Schöpfung, die er durch seinen Bund unwiderruflich zugesichert hat. Der Regenbogen visualisiert einerseits, dass Gott sowohl zornig als auch gnädig sein kann. Andererseits und schlussendlich gilt jedoch: Seine langmütige Barmherzigkeit begrenzt seinen strafenden Zorn (vgl. Exodus 34,6-7).


Meine Arbeitsübersetzung der alttestamentlichen Lesung am 1. Sonntag der österlichen Bußzeit, Lesejahr B:

8 Dann sprach Gott zu Noach und zu seinen Söhnen, die bei ihm waren, folgendermaßen: 9 Und ich, siehe mich, der ich meinen Bund errichte mit euch und eurer Nachkommenschaft, die nach euch kommt, 10 und mit jedem Lebewesen, das bei euch ist – mit den Vögeln, mit dem Vieh und allem Leben der Welt, das bei euch ist – allem, was hinauskam aus der Arche, für alles Leben auf der Welt. 11 Ich errichte meinen Bund mit euch, sodass alles Fleisch nicht mehr vernichtet werden möge von den Wasserfluten, sodass keine Flut mehr sein wird, die die Welt verderbt. 12 Und Gott sagte: Das ist das Zeichen des Bundes – das ich selbst euch gebe – zwischen mir und euch und jedem Lebewesen, das bei euch ist, für die zukünftigen Generationen. 13 Meinen Bogen habe ich in den Wolken angebracht und er soll als Bundeszeichen dienen zwischen mir und der Welt. 14 So wird es sein: Wenn ich Gewölk gewölkt habe über der Erde, wird der Bogen im Gewölk sichtbar werden. 15 Dann werde ich meines Bundes gedenken, der zwischen mir und euch und jedem Lebewesen und allem Fleisch besteht, und nicht wird nochmal das Wasser zu einer Flut werden, um alles Fleisch zu verderben.

Autor des Blogs:

Till Magnus Steiner

Promovierter katholischer Theologe, Exeget und Blogger, der in Jerusalem lebt und arbeitet.

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