Deuteronomium 5: Der Tag für Gott

Es dauert ein Jahr, bis die Erde die Sonne umkreist. Einen Monat ist die Zeitspanne, die der Mond braucht, um die Erde zu umrunden. Und die Woche hat sieben Tage, weil es so in der Bibel steht. Die Zehn Gebote – der wichtigste alttestamentliche Gesetzestext – schreibt dem Volk Israel vor, dass es sechs Tage arbeiten, aber am siebten Tag ruhen soll. Weltweit halten sich Juden und Gläubige anderer Religionen an diesen biblischen 7-Tage-Lebensrythmus – und auch der wöchentliche Ruhetag ist ein alttestamentliches Proprium.

Der alttestamentliche Lebensrhythmus stellte für die Israeliten eine deutliche Abgrenzung zur altorientalischen Umwelt dar. Zur Zeit Jesu war der Sabbat-Tag dem Studium der Heiligen Schriften gewidmet (vgl. Apostelgeschichte 15,1). Und auch heute noch ist der Sabbat, der am Freitagabend beginnt und bis Samstagabend dauert, ein Identitätsmerkmal des Judentums. Gemäß der Fassung der Zehn Gebote im Buch Deuteronomium ist der Sabbat ein Tag „für JHWH“ (Deuteronomium 5,13), der soziale Konsequenzen hat. Der Israelit soll Gottes Herrsein über die menschlichen Ressourcen anerkennen. Die religiöse Forderung nach Ruhe bedeutet Erholung nicht nur für die Mächtigen, sondern für jeden Menschen und für jedes Tier, die im Dienst eines Israeliten stehen. Diese vorgeschriebene Begrenzung der Macht des Menschen erinnert an die Freiheit, die Gott seinem Volk durch die Befreiung aus dem Sklavenhaus Ägypten geschenkt hat. Die Israeliten, die Sklaven waren, dienen ihrem neuen Herrn, JHWH, indem sie der Welt nach Gottes willen Erholung und Ruhe schenken.

Zum christlichen Perspektiven auf das Sabbat-Gebot siehe: „Ruhe! Oder: Über die Bedeutung des arbeitsfreien Sonntags“.


Meine Arbeitsübersetzung der alttestamentlichen Lesung am 9. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr B):

12 Beachte den Sabbat-Tag, um ihn zu heiligen, wie dir JHWH befohlen hat. 13 Sechs Tage sollst du arbeiten und all Dein Schaffen tun. 14 Und der siebte Tag ist Sabbat für JHWH, deinen Gott. Du sollst kein Schaffen verrichten – Du nicht, und auch dein Sohn, deine Tochter, dein Sklave, deine Magd, dein Rind, dein Esel, all dein Vieh und der Fremde, der sich in deiner Ortschaft aufhält, nicht – damit dein Sklave und deine Magd Ruhe finden wie du. 15 Und du wirst gedenken daran, dass Du Sklave warst im Lande Ägypten und JHWH, dein Gott dich von dort herausgeführt hat mit starker Hand und mit ausgestrecktem Arm. Deshalb hat JHWH, dein Gott, dir befohlen den Sabbat-Tag zu tun.

Autor des Blogs:

Promovierter katholischer Theologe, Exeget und Blogger, der in Jerusalem lebt und arbeitet.