Deuteronomium 4: Das Gesetz als Auszeichnung

Aus der Vergangenheit leitet sich die Zukunft ab. Israel hat erfahren, dass das Hören auf Gottes Willen zum Heil führt. Den in den Gesetzen zusammengefasste Willen Gottes lehrt Mose dem Volk kurz bevor es in das Verheißene Land einzieht. Sie sind das Fundament für ein glückliches Leben im Angesicht Gottes. Sie sind die Richtlinie für den weiteren Weg. Sie sind eine Lehre, die es zu durchdringen gilt. Im Vordergrund stehen nicht die Gesetzesworte, sondern die Summe aller Gebote: „Und wo gibt es eine so große Nation, die so gerechte Gebote und Gesetze hat wie diese ganze Tora/Lehre, die ich euch heute vorlege?“ (Deuteronomium 4,8). Die Lehre ist der Wille Gottes, auf den das Volk hören soll. Es ist die Verpflichtung auf den Glauben an den einen, heilbringenden Gott.

So sind das Studium und die Praxis der Gesetze kein enges Korsett, sondern werden von Mose mit der Weisheit und der Einsicht in die Ordnung der Welt nicht nur verglichen, sondern gleichgesetzt. Während alle Welt Quellen der Weisheit sucht, legt Mose Gottes Willen sozusagen vor die Füße des Volkes Israel – um daraus zu lernen und danach zu handeln. Dies ist keine Bürde, sondern eine Auszeichnung, denn in den Gesetzen kann Israel seinem Gott begegnen: „Daher bewahrt und tut (sie), denn dies ist eure Weisheit und eure Einsicht in den Augen der Völker, die von allen diesen Geboten hören und sagen werden: Nur es ist ein weises und verständiges Volk, diese große Nation. Denn wo gibt es eine so große Nation, die Götter hat, die ihr so nahe sind wie JHWH, unser Gott, wann immer wir ihn anrufen.“ (Deuteronomium 4,6-7). In der jüdischen Tradition wird überliefert, dass am Sabbat Gott sich hinsetzt, selbst die Torah studiert und so im Studium mit seinem Volk verbunden ist.

 

Meine Arbeitsübersetzung der Lesung am 22. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:

 

1 Und nun Israel, höre auf die Gebote und auf die Gesetze, die ich selbst euch lehre (sie) einzuhalten, damit ihr lebt, in das Land hineinkommen und es in Besitz nehmen werdet, das JHWH, der Gott eurer Väter, euch gibt. 2 Ihr sollt dem Wort, auf das ich selbst euch verpflichte, nichts hinzufügen und nichts davon wegnehmen; haltet die Satzungen JHWHs, eures Gottes, auf die ich euch verpflichte. 3 Eure Augen waren sehend, was JHWH in Baal Peor getan hat. Fürwahr, jeden, der dem Baal Peor nachlief, hat JHWH, dein Gott, aus deiner Mitte vernichtet [siehe Numeri 25]. 4 Ihr aber habt an JHWH, eurem Gott, festgehalten, und seid heute alle am Leben. 5 Sieh, ich habe euch Gebote und Gesetze gelehrt, wie es mir JHWH, mein Gott, geboten hat, sodass ihr sie tut inmitten des Landes, dorthin ihr kommen werdet, um es in Besitz zu nehmen. 6 Daher bewahrt und tut (sie), denn dies ist eure Weisheit und eure Einsicht in den Augen der Völker, die von allen diesen Geboten hören und sagen werden: Nur es ist ein weises und verständiges Volk, diese große Nation. 7 Denn wo gibt es eine so große Nation, die Götter hat, die ihr so nahe sind wie JHWH, unser Gott, wann immer wir ihn anrufen. 8 Und wo gibt es eine so große Nation, die so gerechte Gebote und Gesetze hat wie diese ganze Tora/Lehre, die ich euch heute vorlege?

 

Deuteronomium 4,1-8 (Lesungstext: Verse 1-2.6-8)

Autor des Blogs:

Promovierter katholischer Theologe, Exeget und Blogger, der in Jerusalem lebt und arbeitet.