Der Prophet als Gegner Gottes?

Gottes Zusagen an Jerusalem werden von dem Propheten bestätigt, aber in der Form eines Bittgebetes bzw. einer indirekten Klage an Gott: Warum handelt er nicht entsprechend seiner Verheißungen? Er erhebt seine Stimme zu Gott und fordert ihn auf, den Worten Taten folgen zu lassen. Im Hintergrund steht die Gewissheit, dass Gottes Zusagen sich verwirklichen – aber Gott muss scheinbar dazu aufgefordert werden. Und in dieser Forderung wird zugleich die Macht Gottes und sein besonderes Verhältnis zu Zion deutlich: Gott hat seine Freude an Zion (Jesaja 62,5). Verkündigung besitzt in diesem Text eine doppelte Bedeutung: Sie kann sowohl eine Zusage an die Menschen als auch eine Forderung an Gott sein.

Diesmal leider auch ohne eigene Arbeitsübersetzung. Momentan fehlt mir dazu die Zeit. Der Grund dafür wird Ende diesen Monats bekanntgegeben. Daher hier nun nur der Verweis zum Text auf den Bibleserver, wo sich verschiedenen Übersetzungen finden lassen: Jesaja 62,1-5.

Autor des Blogs:

Promovierter katholischer Theologe, Exeget und Blogger, der in Jerusalem lebt und arbeitet.

Bildquellen

  • Giovanni Battista Tiepolo (1669-1770), Darstellung des Propheten Jesaja: im Erzbischöflichen Palast in Udine, entstanden zwischen 1726 und 1729 – Lizenz: gemeinfrei.