Der Glaube an Verheißungen

Es ist fast absurd. Den Erzeltern wird die Landverheißung genommen, damit sie dem späteren, versklavten Volk Israel in Ägypten gegeben werden kann. In Vers 7 noch verheißt Gott dem Abram: „Ich bin der HERR, der dich aus Ur in Chaldäa herausgeführt hat, um dir dieses Land zu eigen zu geben.“ Und nur wenige Zeilen später, in Vers 18 schwört Gott: „Deinen Nachkommen gebe ich dieses Land vom Strom Ägyptens bis zum großen Strom, dem Eufrat-Strom.“

Die Verheißung für Abram wandelt sich in eine Gewissheit, dass Gott bereits an jenem Tag den noch nicht geborenen Nachkommen Abrams das Land als Besitz übergeben hat. So ist Abram der Träger der Verheißung, aber er wird sie nicht erleben. Dieses Konstrukt erklärt sich aus der Gerechtigkeit Gottes, wie sie in den Versen 12-16 dargestellt wird. Das Land ist kein leeres Land und die später im Buch Josua berichtete Landnahme sei kein Landraub, sondern – so die theologische Deutung in Genesis 15 – die gerechte Strafe für die Vielzahl der Vergehen der Völker im verheißenen Land. Es ist vielleicht die Stille Ironie der biblischen Erzähler, dass in dieser Verheißung zugleich das spätere Schicksal Israel sich andeutet. Auch Israel wird aufgrund seiner Vergehen wieder aus dem Land vertrieben werden – wenn auch nur temporär. Im Unterschied zu den Völkern zeigt sich in Genesis 15, dass der Gott Abrams und Israels für seine Verheißung soweit geht, dass er sich selbst verflucht, falls er sie nicht verwirklichen sollte. Der freie Gott verpflichtet sich für den Menschen Abram.

Der vorgesehene, alttestamentliche Lesungstext für den 2. Sonntag der österlichen Bußzeit ist: Genesis 15,5-12.17-18.