Daniel 7: Himmlische Herrschaft

Am Anfang der Bibel wird der Mensch zur Herrschaft über die Natur berufen (Genesis 1,24-30). Der von Gott eingesetzte König soll über alle Völker der Welt herrschen und „die Enden der Erde“ seien sein Eigentum (Psalm 2,8). Der Mensch ist von Gott zum Herrschen berufen – aber keine Gesellschaft funktioniert ohne eine zentrale Gewalt. Die Welt besteht aus Beherrschten und Herrschenden. Im Buch Daniel wird auf den babylonische König Nebukadnezzar verwiesen, dem Gott, die „Königsherrschaft, die Größe, die Würde und die Herrlichkeit“ verlieh, sodass er gefürchtet war bei „allen Völker, Nationen und Sprachen“ (Daniel 5,18-19). Und dieser allmächtige König anerkannte Gott als die seine eigene Macht ermöglichende Autorität (Daniel 3,100).

 

Aber vor Gott als Richter ist jede menschliche Macht, selbst die von ihm verliehene, nichtig. Die endgültige Weltordnung wird nicht vom Menschen errichtet, sondern sie stammt aus dem Himmel: Daniel verkündet als den finalen König der Menschheitsgeschichte keinen Menschen, sondern einen, der wie eine Menschenwesen, ein Sohn eines Menschen ist und dessen Herrschaft nicht vergänglich ist. Endgültige Herrschaft entwächst nicht der Erde, sondern kommt vom Himmel. In der offenen Sprache der Vision Daniels, wird dieser Person „Herrschaft, Herrlichkeit und Königtum gegeben, sodass alle Völker aller Nationen, Rassen und Sprachen ihm dienen.“ (Daniel 7,14).

 

Im Buch Daniel wird eine Herrschaft ersehnt, die so machtvoll und andauernd ist, dass sie eben nicht menschlich-vergänglich sein kann. Wie Gott wird der neue Herrscher mit den Wolken des Himmels kommen, d.h. wie in einer Theophanie auftreten. Diese himmlische Macht ist aber andauernd und allmächtig, weil sie von Gott kommt und ihm dient. Gemäß der Interpretation Jesu im Markus-Evangelium ist diese Herrschaft das weltverändernde Ereignis, weil diese Herrschergestalt nicht kommt „um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen“  (Markus 10,45).

 

 

Meine Arbeitsübersetzung der alttestamentliche Lesung am Christkönigssonntag, Lesejahr B:

 

2a Daniel hob an und sagte: Schauend sah ich in meiner nächtlichen Schauung [,,,]

13 Schauend sah ich in meiner nächtlichen Schauung – und siehe: Mit den Wolken des Himmels kam einer wie ein Menschenwesen. Er gelangte zu dem Hochbetagten und wurde vor ihn geführt. 14 Ihm wurde Herrschaft, Herrlichkeit und Königtum gegeben, sodass alle Völker aller Nationen, Rassen und Sprachen ihm dienen. Seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft, die nie vergeht. Und seine Königsherrschaft wird nicht untergehen.

 

Autor des Blogs:

Promovierter katholischer Theologe, Exeget und Blogger, der in Jerusalem lebt und arbeitet.