Daniel 12: Apokalyptische Lebenform

Die Hoffnung liegt im Zusammenbruch der menschlichen Macht. Dieser Pessimismus scheint in der sogenannten Apokalyptik ausgedrückt zu sein. Im Buch Daniel wird vorausgesagt, dass erst die größte Tragödie der Menschheit sich ereignen muss, bevor Israel gerettet wird. Sozusagen aus der Asche wird in der „Zeit der Bedrängnis“ sich das Volk wieder zu neuen Höhen erheben können: „viele von denen, die im Staub der schlafen, werden erwachen“ (Daniel 12,2).

Die Auferstehung ist ein Neuanfang aus dem Tiefpunkt der menschlichen Existenz heraus. Der Weg führt durch den Tod zum Leben. Aber das Neue existiert aufgrund des Vergangenen. Diejenigen, die jetzt das Kommende nicht nur verstehen, sondern dementsprechend handeln, sie werden der Finsternis entkommen. Dies ist kein abstrakter Glaube, sondern eine Lebensform, die Gerechtigkeit im Hier und Jetzt verwirklichen will.

Meine Arbeitsübersetzung der alttestamentlichen Lesung am 33. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:

1 Und in jener Zeit wird bereitstehen Michael, der große Fürst, über den Kindern deines Volkes steht. Und es wird eine Zeit der Bedrängnis sein, wie noch keine gewesen war, seitdem es Nationen gibt, bis zu jener Zeit. Und in jener Zeit wird dein Volk errettet werden, jeder der sich niedergeschrieben findet in dem Buch. 2 Dann werden viele von denen, die im Staub der Erde schlafen, erwachen – jene zu einem ewigen Leben und jene zur Schmach, zu einer ewigen Abscheu. 3 Die Verstehenden werden glänzen wie der Glanz des Himmelsfirmament und wie die Sterne diejenigen, die die Vielen gerecht machen für immer und ewig.

Autor des Blogs:

Promovierter katholischer Theologe, Exeget und Blogger, der in Jerusalem lebt und arbeitet.

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