2 Könige 4: Brot für alle!

In einer Zeit der Hungersnot brachte jemand zwanzig Brote, die er aus den Erstlingsfrüchten der Ernte gebacken hatte, und einen Sack Körner zum Propheten Elischa. Gemäß dem im Buch Deuteronomium niedergeschriebenen Gesetz sollte ein Teil der Erstlingsfrüchte am Jerusalemer Tempel Gott dargebracht werden (Deuteronomium 26,1-11). Diese Darbringung eines Teils der Ernte war Ausdruck des Dankes an Gott. Der Mann bringt nun einen Teil der Erstlingsfrüchte, den er zu Brot verarbeitet hatte, nicht zum Tempel, sondern zum Propheten, der hier als Gottesmann bezeichnet wird. In der damaligen Zeit war Nahrung für Propheten eine Art der Bezahlung für ihre Dienste (1 Könige 14,3) – aber in der vorliegenden Erzählung wird der Grund des Geschenks nicht benannt.

Es geht um etwas ganz anderes. Entscheidend ist die zweifache Aufforderung Elischas an seinen Diener: „Gib es der Volksmenge, damit sie essen!“ Im Hebräischen steht der Ausdruck עם (gesprochen: am), der sowohl das gesamte Volk als auch eine umstehende Volksmenge bezeichnen kann. Der Diener bezieht es vermutlich auf die um den Propheten versammelten Menschen: Die zwanzig Brote und die Körner reichen doch nicht mal für 100 Leute. Doch der Prophet fordert ihn ein zweites Mal dazu auf, dass Volk damit zu versorgen – und als Zusage fügt er ein Wort Gottes hinzu: „Essen und Übriglassen“. Diese wörtliche Wiedergabe der hebräischen Wörter, lässt sich auf mehrere Weisen deuten: zum Beispiel „Sie sollen essen und übriglassen“ oder „Sie werden essen und übriglassen.“ Der Text erzählt im Folgenden nicht, ob das Volk satt geworden ist. Auch nicht wird erwähnt, wie viele Menschen davon gegessen haben und auch nicht, was übriggeblieben ist.  Aber jeder aß und es blieb etwas übrig. Aus dem Unglauben des Dieners wird die Verwirklichung eines Gotteswortes. Selbst in der Zeit der Hungersnot versorgt Gott durch die kleine Gabe der Erstlingsfrüchte eines Mannes das ganze Volk – denn der Gottesmann glaubt entgegen dem kritischen Zweifel.



Meine Arbeitsübersetzung der Lesung am 17. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:

42 Ein Mann kam von Baal-Schamalischa und brachte dem Gottesmann Brot der Erstlingsfrüchte, zwanzig Gerstenbrote und frische Körner in seinem Sack. Da sagte er [Elischa, der Gottesmann]: Gib es der Volksmenge, damit sie essen! 43 Der, der ihm diente, aber sagte: Was? Soll ich dies hundert Leuten vorsetzen? Er aber sagte: Gib es der Volksmenge, damit sie essen! Denn so hat JHWH gesprochen: essen und übriglassen. 44 Er setze es ihnen vor und sie aßen und ließen übrig, wie JHWH gesagt hatte.

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