1 Könige 17: Teilen für den fremden Gott

Im 9. Jahrhundert v. Chr. heiratete eine phönizische Prinzessin, Isebel, den König von Israel, Ahab. Sie brachte Ahab dazu nicht mehr Gott zu dienen, sondern sich ihren phönizischen Göttern zuzuwenden (1 Könige 16,29-34). Gegen sie tritt der Prophet Elija auf, um JHWHs Überlegenheit aufzuzeigen. Die Abkehr von Gott führt zu einer Dürre in der gesamten Region – und Gott erweist seine Macht dort, wo Isebel mit ihren Göttern herkam.

Elija flieht auf Gottes Befehl hin in die phönizische Stadt Sarepta, im heutigen Libanon: „Steh auf und geh nach Sarepta, das zu Sidon gehört, und lasse dich dort nieder. Siehe, ich habe dort einer Frau, einer Witwe, befohlen, dich zu versorgen.“ (1 Könige 17,8). Nicht nur während einer Dürre zählten Witwen im Alten Orient zu den Ärmsten der Armen. Ohne männlichen Versorger und ohne rechtlichen Schutz zählten sie in den damaligen Gesellschaftsordnungen zu den sozial schwächsten Personen. Sie soll den Propheten Gottes versorgen.

Elija trifft auf eine Frau, die sich auf den Tod durch Verhungern vorbereitet. Die Erzählung setzt nicht voraus, dass Gott ihr die Ankunft des Propheten verkündet hat. Aber sie ist bereit ihm zu helfen. Seiner Bitte nach Wasser will sie direkt nachkommen, doch der Prophet bittet um mehr: „Hol für mich auch einen Bissen Brot durch deine Hand!“ (1 Könige 17,11). Die Hilfsbereitschaft von Armen ist nicht nur sprichwörtlich fast unbegrenzt. Doch wer nichts mehr hat, kann auch nichts geben. „Darauf sagte sie: So wahr dein Gott lebt, ich habe keinen Vorrat, außer einer Handvoll Mehl im Topf und ein wenig Öl im Krug. So siehe, ich lese zwei Stücke Holz auf und werde hineingehen und es mir und meinem Sohn zubereiten, sodass wir es essen und dann sterben.“ (1 Könige 17,12).

Ihr bleibt nur der Glauben an einen ihr fremden Gott. Sie muss sich entscheiden, ob sie bereit ist, das Letzte, was sie noch hat, mit einem Fremden zu teilen. Und die phönizische Witwe legt ihr Leben in die Hände des Gottes Israels, der für sie zum neuen Lebensquell wird.

 

Meine Arbeitsübersetzung der alttestamentlichen Sonntagslesung am 32. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:

7 Und es geschah nach einige Tagen, dass der Fluss austrocknete, denn es gab keinen Regen im Land. 8 Da erging das Wort JHWHs an ihn [Elija] folgendermaßen: 9 Steh auf und geh nach Sarepta, das zu Sidon gehört, und lasse dich dort nieder. Siehe, ich habe dort einer Frau, einer Witwe, befohlen, dich zu versorgen. 10 Er stand auf, ging nach Sarepta und kam an den Eingang der Stadt – siehe dort, eine Holz-auflesende Witwe. Da rief er zu ich und sagte: Schöpfe doch für mich ein wenig Wasser mit einem Gefäß, sodass ich trinken kann! 11  Da ging sie, um Wasser zu holen. Und er rief zu ihr und sagte: Hol für mich auch einen Bissen Brot durch deine Hand! 12 Darauf sagte sie: So wahr dein Gott lebt, ich habe keinen Vorrat, außer einer Handvoll Mehl im Topf und ein wenig Öl im Krug. So siehe, ich lese zwei Stücke Holz auf und werde hineingehen und es mir und meinem Sohn zubereiten, sodass wir es essen und dann sterben. 13 Da sagte Elija zu ihr: Fürchte dich nicht! Geh hinein und tue wie du gesprochen hast! Aber mache mir davon zu erst einen kleinen Brotfladen und bringe ihn mir heraus! Für dich und für deinen Sohn mache so danach. 14 Denn so sagt Gott, der Gott Israels: Das Mehl im Topfe soll nicht ausgehen, und das Öl im Kruge nicht abnehmen bis auf den Tag, da Jehova Regen geben wird auf den Erdboden. 15 So ging sie und tat wie Elija gesprochen hatte. Und sie aß, er und sie, und ihr Haus, viele Tage. 16 Das Mehl im Topfe ging nicht aus, und das Öl im Kruge nahm nicht ab, entsprechend dem Worte JHWHs, das er durch Elija geredet hatte.

 

1 Kön 17,7-16 (Lesung: Verse 8-16)

Autor des Blogs:

Promovierter katholischer Theologe, Exeget und Blogger, der in Jerusalem lebt und arbeitet.

Bildquellen